Zensur während des Großpolnischen Aufstand im Jahre 1919 in Wollstein/Wolsztyn

von Stefan Petriuk

Bereits am 13. November 1918 wurde auf Initiative der von der Front zurückkehrenden deutschen Soldaten in Wollstein / Wolsztyn ein revolutionäre „Soldaten und Arbeiter Rat“ (Rada Żołniersko-Robotnicza) gebildet, die ihren Sitz im Gebäude der örtlichen Molkerei (mleczarnia) hatte. Anfänglich gehörten dem Rat überwiegend Deutsche an, was zum Unmut unter den Polen führte.
Bereits am 20. November bildeten die Polen ein „Kreisvolksrat“ (Powiatowa Rada Ludowa), der dann die Mehrheit im „Soldaten und Arbeiter Rat“ darstellte.
Außerdem wählte man aus Mitgliedern des „Volksrates“ einige „Vertrauensmänner“, die dann die einzelnen deutschen Beamten, die leitende Positionen in der Stadt inner hatten, u.a. den Bürgermeister, Landrat usw. kontrollieren sollten.
Am 24. November fand im Garten des Schützenhauses (Strzelnica) eine große Volksversammlung von einigen tausend Menschen statt. Dabei wurde eine Resolution mit folgenden Text angenommen: „My Polacy, zamieszkali na kresach Księstwa, na prastarej ziemi nadobrzańskiej, zgromadzeni dis w Wolszytnie, oswiadczamy uroczyście, ...... żądamy stanowczo, by nas przyłączono do Wolnej Zjednoczonej Polski !”
Am 27. Dezember 1918 brach in Poznań der Aufstand aus, der sich binnen einige Tage auf Großpolen ausbreitete.
Am 31. Dezember 1918 wird in Wolsztyn eine deutsche Abteilung „Grenzschutz“ stationiert, die den Aufstand in diesem Ort verhindern sollte.
Jedoch am 5. Januar 1919 marschierten die ersten polnischen Abteilungen in Wollstein ein. Am 7. Januar wurde das Postgebäude und der Bahnhof von den Aufständischen komplett übernommen. Franciszek Ceglarek wurde Leiter der Post ernannt. So viel aus der Sicht der polnischen Aufständischen zum Aufstand in Wollstein. Aus Wollstein wurde Wolsztyn. Anschließend bilde ich drei Belege mit jeweils verschiedenen polnischem Postzensurstempel ab. Der Stempel auf der Karte vom 15. Februar 1919 ist nur von dieser Karte bekannt und somit ein Unikat.

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Postkarte mit 10 Pfg. Germania aus WOLLSTEIN * (BZ POSEN) b vom 15. 2. 19 mit „Cenzura Komendantury *Wolsztyn*“  64x15 mm in Rot (=  Zensur der Kommandantur *Wolsztyn*).
Dieser Zensurstempel ist nur in diesem einem Exemplar bekannt.

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Postkarte innerhalb des Aufstandsgebietes aus WOLLSTEIN * (BZ POSEN) b vom 19.3.19 mit weiterverwendeten deutschen Tagesstempel und Germania-Marke 10 Pfg. Fernkarten-Porto ab 1.10.1918. Kreiszensurstempel „Cenzura Komendantury w Wolsztynie“ (= Zensur der Kommandantur in Wolsztyn) und Adler ohne Krone in der Mitte. Durchmesser 33 mm in Rot. Mir ist eine weitere Karte mit diesem Zensurstempel vom 19.2. 1919 bekannt.

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Einschreibebrief aus WOLLSTEIN * (BZ. POSEN) vom 8.5.19 mit aptierten Portofreiheitstempel „ ... Preuss. Schullehrer Seminar“. Das Wort „Königl.“ wurde aus diesem Stempel herausgeschnitten; im Absenderkreisstempel ist dieser Zusatz aber beibehalten worden !
Der Brief hat einen weiterverwendeten deutschen R-Zettel und Tagesstempel von Wollstein. Zensustempel „Kontrola poczty / w Wolsztynie“ (= Postkontrolle in Wolsztyn) 45 x 28 mm lang in Rot. Verwendungszeit des Zensurstempels April bis Dezember 1919. Außerdem weist der Brief die deutsche Zensur „Militärisch geprüft“ (ohne Punkt , Type 1) auf - wahrscheinlich von Schneidemühl (Piła).