Zähnung - was ist das?
Perforation - ein kurzer Abriss von Hans Zerbel, Bundesdruckerei Berlin

Ohne auf die Geschichte der Perforation näher einzugehen wird geschildert, wie Perforation heute funktioniert, welche Besonderheiten auftreten und wie diese zustande kommen.
Hierbei wird auf die Unterschiede der Produktionsart der einzelnen Lieferanten eingegangen, soweit dies für die Herstellung unveränderter Nachdrucke notwendig erscheint.
Grundsätzlich sind vier Arten der Zähnung zu unterscheiden:

  • Schleifperforation
  • Kammperforation
  • Stanzung (Dye-Cut)
  • Kastenperforation

Die Perforation, also die Zähnung der Briefmarken, wie wir sie heute kennen, ist gut 100 Jahre alt. Veraltete Formen, wie Linien-Zähnung, Durchstich usw. werden außer Acht gelassen.
Die Zähnung einer Marke ist im Sinne der Sammler ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Eine Marke mit fehlender Perforation wird als ungezähnt bezeichnet und dadurch von geschnittenen Marken unterschieden. Je nach dem also, ob die Marke vom Postbediensteten aus einem Schalterbogen ausgeschnitten wird, oder die Druckerei mal einen Bogen oder ein Bogenteil nicht perforiert hat.
Ganz oder teilweise ungezähnte Briefmarken stellen die beliebteste - weil auffälligste - Abart unter Sammlern dar. Fälschungen kommen so gut wie nicht vor, "Reparaturen" sind leicht zu erkennen.
Zur Grundausstattung eines jeden Sammlers zählt neben der Pinzette, Album und Katalog ein so genannter Zähnungsschlüssel. Ohne diesen Schlüssel ist man kein Sammler.
Die Kataloge geben international die Zähnung nach diesem Schlüssel an.
Für jede der gebräuchlichen Zähnungsarten folgt jetzt ein Beispiel anhand dessen die Bedeutung der Abkürzungen erklärt werden.
Grundsätzlich werden im Katalog eine oder zwei Zahlen genannt, die jeweils angeben wie viele Löcher auf 2 cm zu finden sind. Bei einer Zahl ist die Anzahl der Löcher – nicht die der Zacken! – an allen Seiten gleich, bei zwei Zahlen wird zuerst die waagerechte dann die senkrechte Anzahl angegeben. Dazwischen steht ein Doppelpunkt (:).
Neben der Abbildung der jeweiligen Marke nennt der Katalog eine Aufzählung der Merkmale der Ausgabe, die Markengröße wird nicht genannt:

2005, 3. Jan. Freimarken: Blumen (I). Klein & Neumann; Odr. BDB,
Kleinbogen (2 x 5) (B) und Rollen (R); gez. S 14
Dies ist die Bezeichnung für „Sonnenblume“ und „Feldrittersporn“. Im Einzelnen sagen die Kürzel folgendes aus:
  • Freimarke > Dauerserie
  • (I) > 1. Teilausgabe einer Serie
  • > Entwurf (hier: Klein & Neumann)
  • Odr. > Offsetdruck
  • BDB > Bundes Druckerei Berlin
  • dann wird erklärt, dass es 10er Markenbogen (B) und Rollen (R) gibt
  • gez. S 14 > Schleifperforation mit 14 Löchern auf 2 cm.
2005, 3. Jan. Archäologie in Deutschland, E Schmidt; Odr. BSP
(Klbg. 5 x 2); gez. K 13 ¾.
  • Wenn keine Bezeichnung (wie Frei-, Automatenmarke usw.) angegeben ist, handelt es sich um ein Sonderpostwertzeichen.
  • > Entwurf (hier Schmidt)
  • BSP > Bagel Security Printing
  • Klbg. (5 x 2) > 10er Markenbogen, Querformat (Hochformat hieße 2 x 5)
  • gez. K 13 ¾ >  Kammperforation mit 13 ¾  Löchern auf 2 cm
2004, 12. Aug. 75. Jahrestag des Gewinns des „Blauen Bandes“ durch das Passagierschiff „Bremen“. Haase; Odr. WDZ, Markenheftchen (4 x 5); selbstklebend; zähnungsähnlich gestanzt 14
Also hat Frau Haase den Entwurf gemacht und gedruckt hat WDZ, das WertDruckZentrum Bonn. Interessant ist die Bezeichnung der Zähnung: zähnungsähnlich gestanzt 14.
  • 14 ist wieder die Anzahl der Löcher auf 2 cm.
  • Im Michel-Katalog wird der Bezug zur nassklebenden oder selbstklebenden Marke durch einen kursiv gesetzten Verweis auf die jeweilige Katalognummer gegeben:
    - In gleicher Zeichnung: MiNr. 2417   bzw.
    - In gleicher Zeichnung: MiNr. 2412
Für ein Beispiel der Kastenperforation müssen wir ein wenig zurückblättern im Katalog: diese Art der Perforation ist stets bei Blockausgaben zu finden:
2004, 11. März. Blockausgabe: „Klassisches Theater – 200. Jahrestag (…). Dimanski; Odr. BSP;  gez. Ks 13 ¾
Inzwischen können wir den Kürzelsalat deuten, nur Ks 13 ¾ fehlt uns noch.
In der internationalen Philatelie Logik ist die Kastenperforation, abgekürzt: Ks, eine Art der Zähnung, die an allen vier Seiten nicht an den Rand heran reicht.
Das hierfür verwendete Werkzeug hat wieder 13 ¾ Löcher auf unsere bekannten 2 cm.
Uns fehlt jetzt noch ein Beispiel für unterschiedliche Zahlen waagerecht und senkrecht. Was uns dann auch schön zu den Unterschieden der einzelnen Druckereien hinführt.
Seit Juli 1993 gibt es die Sondermarken-Serie „Bilder aus Deutschland“, mit insgesamt 21 Motiven. 20 davon sind in Berlin gedruckt und gezähnt 13¾:14. Die letzte Marke der Serie hat Bagel gedruckt und 13:13 ½ perforiert.
Die verwendeten Werkzeuge
Die Werkzeugherstellung für eine Perforationsform sei es Kamm- oder Kastenperforation ist eine Investition mit einem hohen Zeitbedarf. Es kommen tausende Stahlstifte zum Einsatz die in gebohrte Löcher eingefügt werden. Die Löcher zur Aufnahme der Nadeln werden in einen etwa 2 cm starken Messingblock von oben und unten gebohrt. Beide Seiten sind erforderlich, weil die Nadel absolut passen müssen: einerseits müssen sie herausgezogen werden können, andererseits dürfen sie nie beim Perforieren herausfallen, sich verkanten und so einen Nadelbruch verursachen.
Die Lebensdauer der Werkzeuge - nicht der Nadeln - ist lang. Die Nadeln werden regelmäßig geschliffen, die Stanzform bleibt.
Grundsätzlich soll Loch und Zacken eines Markenrandes etwa gleich sein. Die Nadeln haben einen Durchmesser von 0,9 mm. Lässt sich die Höhe oder die Breite einer Marke nicht restlos durch 0,9 teilen, muss ein Ausgleich geschaffen werden. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Zacken gleichmäßig werden. Bei deutschen Briefmarken liegt die Zahl fast immer zwischen 12 ½  und unter 15.
Die Entscheidung ein Loch mehr oder weniger auf 2 cm bohren zu lassen, ist kaum rational erklärbar, wenn man bei der irgendwann gefallenen Entscheidung nicht dabei war.
… Und selbst dann …
Die Werkzeuge hier sind bei den Briefmarken-Druckereien in der Regel vorhanden und werden eingesetzt, ohne über die Zahl der Löcher nachzudenken.
Es ist auch wenig Wissen über die Zusammenhänge erhalten geblieben. Eine der wenigen Druckereien in Europa, die Perforationswerkzeuge (auch Zylinder für die Schleifperforation) selbst herstellen ist Joh. Enschede: und braucht für einen Zylinder ca. drei Monate, um nur ein Beispiel zu geben.
Auch die Herstellung eines neuen Perforationswerkzeugs beim letzten verbliebenen Hersteller von Perforationsautomaten, der Fa. Bickel, liegt der Produktionszeitraum ähnlich.
Jede Druckerei wird also alles daran setzen, mit vorhandenen Werkzeugen zu produzieren und es gibt vorwiegend historische Gründe, wie es zu der Anzahl der Nadel, damit der Löcher und der Zacken kommt.
Eine nicht zu unterschätzende, viel Zeit und Geld sparende Kunst besteht im sog. „Nadelnziehen“. Aus dem Perforationsapparat einer ganz normalen Briefmarke kann durch das Herausziehen der richtigen Nadeln, ein Apparat für eine Blockausgabe entstehen oder Markengröße V schnell Doppelt V gemacht werden. Ein Apparat mit gebohrten Löchern mit einem Reihenabstand von 5 mm, erlaubt Marken in 5 mm Schritten in allen Sondergrößen (z.B. „Markgräfliches Opernhaus Bayreuth“ von 1998).
Kleine Lieblinge der Sammler
Gern gesammelt werden Besonderheiten der Perforation, wie sie z. B. in älteren Marken­heftchen zu finden sind: einseitig ungezähnte Marken. Auch beliebt als senkrechte Pärchen, zwei Marken hängen, nur durch eine Zähnung getrennt zusammen, eine ist oben die andere unten jeweils einseitig ungezähnt. Bei nass klebenden Heftchen fehlt - gewollt - die Perforation oben und unten, eigentlich aus produktionstechnischen Gründen.
Die schwedische Post hat dies auf die Spitze getrieben: bildgleiche Dauermarken gibt es als Bogenmarken, 4-seitig gezähnt, Rollenmarken, 2-seitig und in Heftchen 3-seitig mal oben, mal unten ungezähnt.
Unterschiede zwischen den Druckereien und deren Auswirkungen
Wir haben gesehen, dass in den Druckereien unterschiedliche Perforationsapparate vorhanden sind. Solange es nur eine Druckerei gibt, die ein bestimmtes Postwertzeichen herstellt, ergibt sich hieraus nur eine Bemerkung im Katalog, sonst nichts.
Auf gleiches Perforationsmaß bei zeichnungsähnlichen Marken z. B. „ROTER SAND“ in allen Ausführungen:
  1. nass klebend (Bagel) 13 ¾ 
  2. selbstklebend in Boxen (BDB) 10 ¼
  3. selbstklebend in Marken-Set (WDZ)

muss nicht geachtet werden.
(Das Zähnungsmaß aus Bonn ist noch nicht bekannt. Muster sind noch nicht eingegangen, wohl aber die ersten Anfragen. Vor dem Ersttag aus Lieferung an „Soforter“.)
Normale Sammler, die nach Vordruckalbum sammeln, werden die gummierte und eine selbstklebende in ihre Sammlung aufnehmen. Ein anderer Teil wird die Marken aus der Box als 5er Streifen sowie ein ganzes Heft sammeln und sich freuen, dass er die Herkunft der gestempelten Marken anhand der unterschiedlichen Zähnung nachvollziehen kann.
Ähnlich verhält es sich mit den diversen „Rosengrüßen“. Sie sind in folgenden Formen bekannt:

  1. gummiert, Berlin, S 13:13 ½
  2. selbstklebend, Berlin + Bonn, gestanzt 10:10 ¼ und
  3. selbstklebend, BSP, gestanzt 10:10 ¼, aus „Blumengruß“

allerdings sind innerhalb der Auflagen Unterschiede aufgetreten, die besser vermieden worden wären:
Die Auflage des WertDruckZentrum hat einen anderen Rasterwinkel: 15°/75° statt 45°/45° und die Anzahl im Rücken gestanzten Schlitze ist unterschiedlich: in Bonn wurde ohne, später mit 19 und mit 52 Schlitzen gearbeitet.
Auch der Stand des Markenbildes zum gestanzten Rand ist unterschiedlich ausgefallen: die Wertziffer „55“ ist unten in der Bonner Auflage leicht angeschnitten, bei der Berliner gut lesbar. Die Unterschiede sind für normale Sammler völlig ohne Belang, Spezialisten und Abartensammler sind jedoch sehr entzückt.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass für die Pflege des Sammlermarktes – auch den der Spezialisten – vor allem wichtig ist, nicht zu viele Unterschiede in Rasterung und Rückenschlitzperforation zuzulassen, gänzlich ohne Unterschiede würde das Sammelgebiet eher an Attraktivität verlieren.
Kleiner Ausflug in die Technik
Kamm- und Kastenperforation werden so vorgenommen, dass jeweils 8 Druckbogen über‑einander liegend gleichzeitig im Takt über die gesamte Bogenbreite perforiert werden. Diese Perforationsart verhindert ungleichmäßig verlaufende Ecken.
Bei der Schleifperforation kommt ein nadelbesetzter Zylinder zum Einsatz. Über diesen wird die Papierbahn geführt, die Nadeln drücken sich durch das Papier und werden von der Rückseite geschliffen. Die so erzeugten Löcher sind nie so scharf begrenzt wie bei der Kammperforation, kleben aber nicht zusammen und lassen sich leichter reißen.
Die Stanzung erzeugt ein Bild, das einer Perforation ähnlich sieht, aber im eigentlichen Sinne keine ist. Zähnung ist immer ein Hilfsmittel zum leichteren Trennen der Marken, was bei den selbstklebenden nicht zwangsläufig gebraucht wird. Es soll nur der Anschein „richtiger“ Briefmarken erzeugt werden – und die haben nun mal Zacken.
Während für alle anderen Zähnungsweiten keine Erklärung (außer vorhandenen Werkzeugen) gegeben werden kann, gibt es für die Weite bei der Stanzung einen wichtigen technischen Grund: wird z. B. bei Röllchen das überflüssige Material abgezogen (nur die Marken bleiben auf der Trägerfolie) darf die Stanzung nicht zu eng sein, sonst besteht die Gefahr, dass sich die Marken vom Träger lösen und mit der Matrix (den Papierresten zwischen den Marken) entfernt werden.
Das englische Wort „Dye-Cut“ bezeichnet den Vorgang präziser, es darf nur
"an-" und nicht "ausgestanzt" werden.