Die "goldene" Papstmarke
Polen - MiNr. 4017 in Golddruck wird offiziell

Stefan Petriuk

Nach einem massiven Protest seitens eines Unternehmers in Warschau, der einen Brief u.a. an den Justizminister, Generalsstaatsanwalt und weiteren zahlreichen Institutionen verfasste, sah sich der derzeitige Generaldirektor der Polnischen Post genötigt, nachträglich die nachfolgende Verordnung herauszugeben
Übersetzung aus dem Polnischen eines mir vorliegenden Schreibens des Generaldirektors der Polnischen Post:

Verordnung Nr. 54
des Generaldirektors der Polnischen Post vom 31. Mai 2004

Ergänzende Verordnung des Generaldirektors der Polnischen Post bezüglich der Einführung in den Postumlauf der Briefmarke mit der Nominale zu 10 Zl, der Ausgabe „25 Jahre Pontifikat von Papst Johannes Paul II.“ sowie der philatelistischen Ausgabe – mit einem Sonder – und Werbezweckcharakter.
Auf der Grundlage der Artikels 32 des Gesetztes vom 12. März 2003 Postrecht (Amtsblatt Nr. 130. Position 1188) ordnete ich folgendes an:

§ 1

In der Verordnung Nr. 24 des Generaldirektors der Polnischen Post vom 10. März 2003 in der Angelegenheit des sich im Umlauf befindlichen Briefmarke mit der Nominale zu 10 Zl, der Ausgabe „25 Jahre Pontifikat von Papst Johannes Paul II.“, verändert mit der Verordnung Nr. 91 des Generaldirektors der Polnischen Post vom 25. September 2003, führe ich folgende Veränderungen ein:

1. im § 1 des Gesetzes folgende drei Wörter:
„in Auflagenhöhe – 470.000 Stück“
mit den Worten austauschen:
„in Auflagenhöhe – 472.000 Stück“.
 
2. Es soll ein § 3 mit folgenden Text hinzugefügt werden:
   

§ 3

  1. Ich genehmige die Ausführung eines philatelistischen Belegs mit einem Sonder– und Werbezweckcharakter, der mittels des Aufdrucks „WZÓR“ auf der bereits im § 1 genannten Briefmarke ausgeführt wird. Dieser philatelistische Beleg darf nicht für die Frankierung von Postdienstleistungen verwendet werden.
  2. Der philatelistische Beleg, von dem im Punkt 1 die Rede ist und der keine Briefmarke ist, wird auf einer goldenen Folie in einer Auflage vom 1000 Stück gedruckt.
  3. Der bisherige § 3. wird jetzt als § 4 bezeichnet “

So viel zu der nachträglich offiziell von dem Generaldirektors der Polnischen Post vom abgesegneten WZÓR (deutsch: MUSTER) - Ausgabe dieser Markenausgabe in „GOLD“.
 

Polen - MiNr. 4017 in Golddruck

Stefan Petriuk

Polen - MiNr. 4017 zu 10 ZŁ in Silber, der Ausgabe vom 20. März 2003
 „25 Jahre Pontifikat von Papst Johannes Paul II.“ auch in Golddruck ?

Diese Markenausgabe vom 20. März 2003, die im Siebdruck auf Silberfolie (Einzelher­stellung), selbstklebend, zähnungsähnlich gestanzt, herausgegeben wurde, wurde von der Polnischen Post bereits am Ausgabetag zum 31.Dezember 2003 für postungültig erklärt.
Die Marken wurden bereits in der Druckerei einzeln in einen kleinen quadratischen wei­ßen Umschlag (5 x 5 cm) verpackt und nur so am Schalter abgegeben. Auf jedem dieser Umschläge ist auf der Vorderseite das Wappen vom Papst Johannes Paul II sowie eine Inschrift im Kreis: 1978 XXV ROCZNICA PONTYFIKATU 2003 * JANA PAWLA II * (1978 XXV Jahre Pontifikat 2003 * Johannes Paul II. *), darunter POCZTA POLSKA und auf der Rückseite SREBRO 925/1000 (Silber 925/1000) in Silberschrift aufgedruckt.
Wenig bekannt ist, dass in der gesamten polnischen Presse und nicht nur in der phila­telistischen, seit der Ausgabe im letzten Jahr, sehr breit über diese Markenausgabe diskutiert wird. Insbesondere über eine zusätzliche Auflage von 1000 Marken in Gold.
Für die 1000 Exemplare, wurde die gleiche Druckform wie für die MiNr. 4017 benutzt, es wurde aber nicht auf Silberfolie sondern auf 18 Karat Goldfolie gedruckt.
Auf allen Marken in Gold ist zusätzlich das Wort WZÓR (deutsch: MUSTER) aufgedruckt (in der rechten unteren Markenecke, von links unten nach rechts oben, genau über der Nominale zu 10 ZŁ). Alle 1000 Gold-Marken sind jeweils auf eine Silberplatte Ag 925/1000 (7 x 5,5 cm) aufgeklebt, die von 0001 bis 1000 schwarz durchnumeriert wurden. Auf der Platte befindet sich links ein Bildnis vom Papst J.P. II, rechts ist die Kuppel des Petersdoms abgebildet. Die Marke ist jeweils so angebracht, dass das Portrait des Papstes in die Abbildung auf der Silberplatte übergeht.

Von der regulären Ausgabe in Silber (MiNr. 4017) wurden 2000 Marken auf eine ähnliche Bronzeplatte (ebenfalls 7 x 5,5 cm) aufgeklebt. Die Ausführung der Bronzeplatte ist identisch zur vorher genannten Goldplatte, mit dem Unterschied, dass diese von 0001 bis 2000 durchnumeriert sind.

Angeblich wurden die insgesamt 3000 Exemplare (1000 Gold / 2000 Silber) von der Polnischen Post bei der italienischen Druckerei bestellt, bei der bereits die Gemeinschaftsausgabe mit dem Vatikanstaat (MiNr. 1428) gedruckt wurde. Dies ist auch durch die identische Verpackung (bis auf das Format) der losen Marken und der beiden Platten anzunehmen.
Während der Polnischen Akademie der Philatelie in Ciechocinek/Polen am 1.Mai 2004 wurde von einem Mitglied der Akademie, das gleichzeitig im Vatikan tätig ist, berichtet, dass die Vatikanische Post keine Kenntnis von diesen zusätzlichen Aus­gabeformen hatte. Dabei wurde klar der Unmut der Vatikanischen Post zu dieser Extraausgabe zum Ausdruck gebracht.
Die Herstellung erfolgte, als Leszek Kwiatek noch Postdirektor der Polnische Post war. Offiziell wurden diese Ausgaben hergestellt, um für Werbezwecke und als Geschenke verteilt zu wurden.
Einzelne Exemplare sollen der damalige Regierungschef Leszek Miller und der Primas von Polen Kardinal Jozef Glemp erhalten haben.
Wie die Zeitung „Rzeczpospolita“ vor einigen Wochen berichtete, lagen ihr Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass von den insgesamt 3000 Exemplaren, 600 Exemplare der Postdirektor Kwiatek in Empfang nahm und weitere 450 sein damaliger Stell­vertreter Andrzej Siniakiewicz. Weitere Exemplare wurden an weitere 9 höhere Post­beamte, darunter an die Hauptbuchhalterin ausgehändigt.
260 Exemplare wurden an die Postdirektionen u.a. in Krakow, Wroclaw und Lodz geschickt. Wie die Zeitung „Rzeczpospolita“ schreibt, wurde niemand dazu verpflichtet, Rechenschaft darüber abzulegen, an wen und wann so ein Markenexemplar ausge­händigt wurde.
Beide Exemplare zusammen werden heute auf dem philatelistischen Markt zwischen 3000 bis 3500 Zloty (gegenwärtige Kurs 1 € = ca. 4,60 Zloty) angeboten.
Auf der Tagung der Polnischen Akademie der Philatelie in Ciechocinek/Polen wurde am 1.Mai 2004 festgestellt, dass es sich bei der Goldmarke sowie bei den Bronze- bzw. Silberplatten um rein private Ausgaben handelt und diese auf keinen Fall katalogisiert werden sollen.