Die Geschichte der Beziehung PZF-BDPh
Antoni Kurczyński, Warszawa
Stefan Petriuk, Langballigholz

Die Zusammenarbeit der deutschen und  polnischen
Philatelisten im Rahmen von Briefmarkenausstellungen

Bilaterale Briefmarkenausstellungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen begannen in Zeiten, als die Beziehungen der Philatelisten der sogenannten Ostblockländer mit Sammlern in Westen von sehr vielen Faktoren, die außerhalb der Philatelie lagen, abhängig waren.
Die erste bilaterale Briefmarkenausstellung fand 1982 in Bremen statt, als in Polen der Kriegszustand herrschte und die Berliner Mauer noch sieben Jahre stehen sollte.

Der Gedanke einer engeren Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbänden fand aber schon viel früher statt und zwar während der Briefmarken Weltausstellung POLSKA ´93 in Posen. Dort hat der Nestor der polnischen Philatelisten Jan Witkowski vehement die Idee für eine Zusammenarbeit verfolgt.
Erst während des 49. FIP Kongresses 1980 in Essen, in Anwesenheit von Jan Witkowski, beschlossen im Namen Ihrer Verbände die Präsidenten des Bundes Deutscher Philatelisten (BDPh) Heinz Jäger und des Polnischen Philatelisten Verbandes (PZF) Henryk Białek eine Zusammenarbeit, wozu auch die gemeinsamen bilateralen Ausstellungen zählten.
Die bereits seit Jahren vorhandenen freundschaftlichen Beziehung auf dem internationalen Podium fanden ihre konkrete Verwirklichung, als man beschloss, dass die erste bilaterale Briefmarkenausstellung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen im Jahre 1982 stattfinden sollte.
Die erste Deutsch-Polnische Bilaterale Briefmarkenausstellung fand vom 9. bis 12. September 1982 in Bremen statt. Zu dieser Zeit herrschte in Polen bereits seit 9 Monaten der Kriegszustand. Nahezu sämtliche Vereine in Polen waren zwangsaufgelöst (einschl. der Kaninchenzüchtervereine).
Dank dem großzügigen Entgegenkommen des Senats der Hasenstadt Bremen, fand die Ausstellung im historischen Rathaus statt. Gerade diese Ausstellung zählt zu den (nach Aussage der Polen selbst) bedeutendsten Meilensteinen der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Seit dieser Ausstellung gab es insgesamt noch fünf weitere bilaterale Ausstellungen:

  • II. Polen – Deutschland 14.- 18. November 1984 in Poznań (Posen *)
    (damals noch Volksrepublik Polen)

  • III. Deutschland – Polen 13.- 15. März 1987 in Essen

  • VI. Polen – Bundesrepublik 16.- 20. August 1990 in Kattowitz (Katowice)
    (ab 1.1.1990 Republik Polen)

  • V. Deutschland – Polen 19.- 21. November 1993 in Soest

  • VI. Polen – Deutschland 6.- 9. Oktober 1995 in Wrocław (Breslau) im Rang I

Danach gab es nur noch Multinationale Postwertzeichenausstellungen:

  • Hanse Phil 98 vom 6. bis 9. August 1998 in Rostock

  • Mare Balticum vom 23. bis 25. 2003 in Kiel.

Zu der vollständigen Geschichte auf dem Gebiet der deutsch-polnischen Philatelie, zählen auch die Kontakte zischen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen. Schon im Jahre 1957 haben die philatelistischen Bezirke Poznań (Posen) und Leipzig Arbeitskontakte aufgenommen. Gemeinsam führten diese drei internationale Briefmarkenausstellungen der Messestädte durch:

  • 1960 die INTERMESS I in Leipzig,

  • 1961 die INTERMESS II in Posen,

  • sowie 1965 die INTERMESS III in Leipzig.

Schon Mitte Oktober 1956 wurde in Halle/Saale die I. Jugend Briefmarkenausstellung organisiert, wozu auch Aussteller aus Polen eingeladen wurde.
Die erste Ausstellung in Polen, an der auch erwachsene Philatelisten aus der DDR ihre Sammlungen zeigten, war die Internationale Briefmarkenausstellung BALPEX – Gdansk 1959 in Gdansk (Danzig).
Bereits ein Monat vor dieser Ausstellung und zwar am 25. Juli 1959 wurde ein Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen dem Polnischen Philatelisten Verband und dem Deutschen Kulturbund – Sektion Philatelie unterzeichnet.
Im Juni 1959 haben polnische Philatelisten gemeinsam mit dem Polnischen Kulturzentrum in Berlin eine Werbeausstellung durchgeführt. Die in dem Kulturzentrum gezeigten Sammlungen wurden danach noch in Dresden, Weimar, Binz auf Rügen, Schwerin und in Rostock ausgestellt.
Im Februar 1964 organisierte man gemeinsam mit den deutschen Sammlern unter Mitarbeit des Polnischen Kulturzentrums in Berlin die erste bilaterale deutsch-polnische Briefmarkenausstellung. Seit dem fanden in Abständen von 2 bis 3 Jahren bilaterale Briefmarkenausstellungen zwischen Polen und Ostdeutschland statt. Ende April Anfang Mai 1972 wurden in Berlin Projekte bzw. Entwürfe von polnischen Werteichen ausgestellt. Ähnliche Ausstellungen wurden auch in Polen durchgeführt. Die erste fand im mai 1961 in Bydgoszcz (Bromberg) und in den Jahren 1964 und 1967 in Warszawa (Warschau).

Die chronologische Reihenfolge der philatelistischen Kontakte und Abmachungen auf Bezirksebenen sahen folgendermaßen aus:

im Jahre 1959  Gdańsk (Danzig) und Szczecin (Stettin) mit Rostock
im Jahre 1960 Wrocław (Breslau) mit Dresden
sowie die Vereine Zgorzelec (deutsch: Görlitz) mit Görlitz
im Jahre 1962 Poznań (Posen) mit Leipzig (tatsächlich bestand die Zusammenarbeit schon seit 1957)
Außerdem unterhielt Poznań (Posen) schon seit 1969 eine bilaterale Zusammenarbeit mit Cottbus. 1979 fanden in Weißwasser und im polnischen Konin Jubiläums- Briefmarkenausstellungen statt.
Außerdem besteht eine Zusammenarbeit mit Hannover.
Zielona Góra (Grünberg) mit Frankfurt an der Oder
im Jahre 1965 Bydgoszcz (Bromberg) mit Schwerin. Nach der Umstrukturierung des Polnischen Philatelisten Verbandes im Jahre 1976 kam Toruń (Thorn) hinzu, wo im Oktober 1986 eine Jubiläumsausstellung stattfand.
Opole (Oppeln) mit Potsdam. Im Mai 1971 fand in Potsdam eine gemeinsame Briefmarkenausstellung statt.
im Jahre 1966  Katowice (Kattowitz) mit Erfurt. Katowice (Kattowitz) unterhält auch eine Zusammenarbeit mit Halle. In Katowice fand 1986 eine gemeinsame Briefmarkenausstellung statt.
im Jahre 1970 Krakow (Krakau) mit Gera. Kraków arbeitet ebenfalls mit Leipzig und Nürnberg. Im September 1987 fand in Nowa Huta eine gemeinsame Briefmarkenausstellung zwischen Kraków und Nürnberg statt.
1973 – 1974 Koszalin (Köslin) mit Neubrandenburg
Kielce mit Magdeburg
1975 Łódź mit Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
Zawiercie mit Zeitz (Halle). 1985 fand die erste gemeinsame Briefmarkenausstellung statt.

Sämtliche Kontakte und Vereinbarungen zwischen den Vereinen fanden auf den verschiedenernsten Funktionärsebenen statt.
Besonders nennenswert ist die Ausstellung der Freundschaft, die vom 28.6. bis zum 7.07.1975 in Zgorzelec (deutsch: Görlitz) und in Görlitz (beide Grenzorte sind durch die Neiße getrennt) durchgeführt wurde. Dabei haben die deutschen Sammler ihre Sammlungen im polnischen Zgorzelec und die polnischen im deutschen Görlitz ausgestellt.
Zur 750-Jahrfeier der Stadt Berlin organisierte Warschau vom 5. bis zum 26. März 1987 eine Sonderbriefmarkenausstellung. Warschau unterhält freundschaftliche philatelistische Kontakte mit Berlin im Rahmen der Dreistädte-Ausstellungen Berlin–Warschau–Prag.

* Die deutschen Ortsnamen bei den heutigen Orten in Polen haben wir zum besseren Verständnis ergänzt.