Litzmannstadt - alles falsch!
Die Marken der Getto-Post Litzmannstadt (polnisch Lodz)

von Stefan Petriuk, Verbandsprüfer für Polen (PZF)

Vor etwa 5 Jahren tauchte bei „eBay“ eine Sammlung von 16 Blättern mit Briefmarken und einigen Belegen auf, die angeblich alle im Getto Litzmannstadt (polnisch Lodz) während des 2. Weltkrieges gedruckt bzw. befördert wurden. Ich schreibe absichtlich „angeblich“, da schon beim ersten Anblick zu erkennen war, dass die komplette Sammlung nur aus Fälschungen bestand. Der Verkäufer oder jemand anders hat zuvor wissentlich (den Anbieter habe ich mir leider nicht gemerkt) die Fälschungen, sowohl Marken als auch Belege, zu einer Sammlungen zusammengestellt. Die Ausstellungsblätter waren in mühsamer Arbeit solide und präzise beschrieben. Kaum zu glauben, aber die Sammlung wurde dann für 850,- DM verkauft. Eigentlich ein Schnäppchen. In Wirklichkeit, wenn alles echt gewesen wäre, müsste man dafür mindestens das 10fache bezahlen. Das Beste kommt noch. Ähnliche Sammlungen wurden danach noch zweimal angeboten und ebenfalls zu unterschiedlichen Preisen verkauft. Eine von den drei hier erwähnten Sammlung wurde mir dann nach einiger Zeit zur Begutachtung zugeschickt. Meine Vermutungen haben sich voll bestätigt. Die komplette Sammlung bestand nur aus Fälschungen.
Schon das Papier auf denen diese Fälschungen gedruckt sind und die Markenfarbe hat nicht nur annähernd etwas mit den Originalmarken zu tun. Auch die Kurzatteste mit Stempeln der „Zentral Jüdischen Historischen Kommission in Polen“, die nach dem 2. Weltkrieg für diese Marken herausgegeben wurden, sind ebenfalls komplette Fälschungen.
Nachdem sich diesen Angeboten einige Prüfer aus der Bundesarbeits-  gemeinschaft Polen angenommen haben, verschwanden diese und ähnliche Angebote aus „eBay“. Seit etwas mehr als einem Jahr werden erneut, diesmal von verschiedenen Anbietern, diese Markenfälschungen vom „Getto-Litzmannstadt“ bei „eBay“ verkauft. Es handelt sich dabei überwiegend um eine handvoll Marken, die Lose oder in Einheiten angeboten werden. Um einen Rauschmiss zu vermeiden – der Verkauf von Fälschungen kann zu einem Beenden der Auktion durch eBay führen -  verkauft man die Fälschungen oft nicht bei „eBay.de“ sondern bei „eBay.com“ in den USA, wo das Wissen um diese Ausgaben noch geringer ist. Schon die Verkaufspreise müssten aufhorchen lassen. Diese Fälschungen, die als echte Marken mit sehr vielen hundert Euros in Katalogen notiert sind, werden dann meist zwischen 10 und 100,- € erworben. Schon diese Tatsache müsste stutzig machen. 

Bei genauer Betrachtung kann erkennen, dass es sich fast in allen Fällen um sehr gute Nachahmungen der Abbildungen aus unserem Buch „Unsere Arbeit – unsere Hoffnung / Getto Lodz 1940 – 1945“ (Seiten 175 – 183), handelt. Vermutlich haben die Fälscher nach dem Buch neue „Druckstöcke“ angefertigt hat und produzieren damit die Fälschungen. Dazu gibt es dann die gefälschten Stempel, die immer wieder auftauchen.

Markenfälschungen mit
Falschstempel:
LITZMANNSTADT GETTO 17.APR.1944

Meist stimmen schon auf den ersten Blick die Farben der Fälschungen nicht. Es werden Zusammendruckpaare angeboten, z.B. 5/10 Pf., die es nie gab. Die Stempel sind gefälscht, z.B. taucht immer wieder ein deutscher Werbestempel Litzmannstadt 1 / a vom 29.4.44 mit dem Werbetext „Litzmannstadt – größte Textil-Industrie im Osten“, sowie ein Stempel Litzmannstadt 2 / f vom 16.6.1944 auf Gettomarken auf. Gettomarken mit deutschen Stempeln sind totaler Unsinn, da die Marken nur für den Gebrauch innerhalb des Gettos vorgesehen waren. Gestempelte Marken sind immer falsch, da sie niemals zur Anwendung kamen.

Markenfälschungen mit Falschstempeln
Litzmannstadt 2 / f vom 16.6.1944

Markenfälschung mit Falschstempel

Die Menge der Fälschungen und der Zeitpunkt kommen nicht von zufällig. Etwa vor fünf Jahren hat der Schwaneberger Verlag, der die MICHEL-Kataloge herausgibt auf anraten u.a. der BArGe Polen, die Marken der Getto-Post in Litzmannstadt aus dem Teil „General­gouvernement“ herausgenommen und beim „Deutschen Reich“ katalogisiert. Von heute auf  morgen entstand unter den Sammlern „Deutsches Reich“, die gerne komplett sein wollten, eine große Nachfrage nach diesen Marken. Da schon vorher die Marken fast niemals auf Auktionen angeboten wurden (die wenigen, die überhaupt vorhanden sind, liegen seit vielen Jahren in festen Händen) sahen sich einige „Sammler“ gezwungen, der Sache etwas nachzuhelfen und bieten jetzt auf Teufel komm raus Fälschungen an.
Ich betone noch einmal: Diese Erzeugnisse werden weiterhin in großen Mengen bei „eBay“ verkauft. Es sind alles Fälschungen und nicht eine einzige Marke ist echt.
Quellen:
Manfred Schulze, Stefan Petriuk
„Unsere Arbeit – unsere Hoffnung / Getto Lodz 1940 – 1945“
Eine zeitgeschichtliche Dokumentation der Post-  und Geldwesens im Lager Litzmannstadt, erschienen 1995 im Phil Creativ Verlag & Agentur, Schwalmtal  ISBN 3-928277-65-0.
„Lodz / Litzmannstadt (Getto-Post)“, MICHEL Deutschland-Spezial 2006, Deutsches Reich, Seite 533.