Buchbesprechung
Buchbesprechung: Professor Dr. Julian Auleytner, Anfänge der Polnischen Post in Westpreußen 1920, von Stefan Petriuk

In der Postgeschichte werden andauernd neue Themen und Gebiete entdeckt. Dazu muss man das neue Thema des zweisprachig deutsch-polnischen Buches von Professor Dr. Julian Auleytner aus Warschau unter dem Titel: „Anfänge der Polnischen Post in Westpreußen 1920“ zählen. Westpreußen (auch Pommerellen genannt – die Polen nennen es Pomorze), wurde auf Grund des Versailler Vertrages, der am 10. Januar 1920 von Deutschland ratifiziert wurde, an Polen übergeben. Bisher erschienen zu diesem speziell deutsch-polnischen Thema nur einige wenige philatelistische Artikel. Erst mit diesem Buch wird durch Professor Auleytner auch der posthistorische Aspekt jener Zeit in Westpreußen sehr detailliert dargestellt. Unterstützt wird die Darstellung durch zahlreiche historische Dokumente zum Thema, die im polnischen Postmuseum in Wrocław (Breslau) gefunden wurden.

Besonders wichtig zum besseren Verständnis sind die zahlreichen Kartenausschnitte aus einem polnischen Postatlas von 1929 und einem Eisenbahnatlas von Polen aus dem Jahre 2011. Anhand dieser Kartenausschnitte kann man unschwer den Verlauf der damaligen Grenze, die einzelnen Phasen der Übergabe der deutschen Landkreise an Polen, sowie die weiterhin in Polen tätige deutsche Bahnpost nachvollziehen.

 Von besonderer Bedeutung ist die deutsch-polnische, sowie polnisch-deutsche Ortsnamensliste für das inzwischen an Polen übergebene Westpreußen. Anhand dieser Ortsliste können viele Postsendungen überhaupt erst zugeordnet werden. Man muss wissen, dass in der Liste Orte enthalten sind, die bereits im Frühjahr 1920 durch Polen entweder zum wiederholten Mal umbenannt wurden oder in andere größere Orte aufgegangen sind. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, dass u.a. der Landkreis Soldau, der zuvor zu Ostpreußen gehörte, an Polen übergeben wurde.

 Im Buch sind u.a. polnische Dokumente abgebildet, in denen die zukünftigen polnischen Postleiter bei der Übergabe instruiert werden, sich unpolitisch zu verhalten und in friedlicher Form die Postaufgaben von den bisherigen deutschen Postleitern, die nicht mehr in Westpreußen/ Pommerellen (für die Polen) arbeiten wollten, zu übernehmen und fortzuführen. Die deutschen Beamten hatten das Recht bis Ende März 1920 ihren Dienst in der polnischen Verwaltung fortzuführen.

Besonders erwähnen muss man die vielen Bedarfsbelege für die 22 Landkreise, die die Phasen der Übergabe dokumentieren. Darunter befinden sich zahlreiche einmalige Postbelege, die sehr anschaulich diesen kurzen Abschnitt der deutsch-polnischen Geschichte dokumentieren. Darunter auch Belege der deutsch-polnischen Grenzkommission in Breslau und der polnisch-deutschen Grenzkommission in Poznań/Posen (beide wurden erst 1926 aufgelöst), sowie die der Alliierten Grenzkommission / Sektion Polen – Deutschland in Danzig. In dieser Zeit waren auch Teile der britischen Flotte in Polen stationiert, die die polnischen Kriegsoperationen gegen Sowjetrussland sicherten. Auch dazu findet man Belege in diesem Buch.

Die Arbeit von Professor Auleytner schließt eine große Lücke in der deutschen und polnischen Postgeschichte und ist sehr zu empfehlen.

Das Buch mit 300 Seiten ist auf Kreidepapier gedruckt und hat ein Hardcover. Im Buch sind über 100 farbige Abbildungen, dazu zahlreiche Dokumente und Kartenausschnitte enthalten.

Der Preis beträgt Preis 25,- € zzgl. Porto.

Bezugsadresse: ArGe-Polen, Otto Geißelbrecht, Leostrasse 5, 44579 Castrop-Rauxel, Tel. 02305 79669, geisselbrecht@unitybox.de